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Selbsthilfe für Leib und Seele

Liebe Leserinnen und -Leser,

 

Wenn man in einem Selbsthilfemagazin Betrachtungen über Leib und Seele anstellt, dann sind diese unweigerlich verbunden mit der Frage nach Gesund-

heit und Krankheit. Nun haben Menschen ein individuell sehr unterschiedliches Verständnis von Gesundheit. Dieses Verständnis von Gesundheit ist geprägt davon, wie in der Gesellschaft, in der sie leben, mit Krankheiten umgegangen wird, wie Menschen, mit denen sie sich identifizieren, Krankheiten bewältigen. Erst wenn eine Krankheit eingetreten ist, kann man eine grundlegende Vor-

stellung davon entwickeln, was Gesundheit ist, nämlich das, was dem Men-

schen nun fehlt. Solange einem Menschen nichts fehlt, kann er nicht sagen,

was Gesundheit bedeutet. Zu dieser Erkenntnis kam der Heidelberger Philosoph Hans Georg Gadamer bereits 1993.

 

Die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), „… das

völlige Freisein von körperlichen, seelischen und sozialen Einschränkungen …“, ist nicht nur unrealistisch, sie ist auch gefährlich. Diese Definition verhindert

die Kreativität von Menschen bei der Herstellung von Gesundheit. Denn Gesundheit ist keineswegs ein Bonus, den wir bei Geburt bekommen und dann Stück für Stück bis an unser Lebensende aufbrauchen. Vielmehr ist Gesundheit ein Zustand, den wir immer wieder, Tag für Tag, neu erzeugen müssen. So sieht es zumindest Viktor von Weizäcker 1986, ein Begründer der Psychosomatischen Medizin. Gesundheit ist die Fähigkeit Krankheiten zu ertragen, was bedeutet, neben der Inanspruchnahme professioneller Hilfe, das Schöpferische in sich selbst zu entdecken, was dabei hilft, mit der Krankheit zu leben.

 

Weil dies so ist, können auch solche Menschen sich gesund fühlen, die eine

schwere chronische Erkrankung haben und umgekehrt können Menschen krank

sein, obwohl sie nicht an einer eindeutig zu definierenden körperlichen oder seelischen Erkrankung leiden.

 

Es gibt Menschen, die trotz schwerer Krankheit und großem Leiden eine be-

merkenswerte Form von Gesundheit entwickeln, weil es ihnen gelungen ist, zu einer veränderten Lebenseinstellung zu finden. Das wohl prominenteste Bei-

spiel lieferte der Wiener Arzt und Begründer der Logotherapie, Viktor Frankl, der sogar das Konzentrationslager nicht nur körperlich überlebt hat sondern dies offenbar auch noch, ohne gravierende seelische Schäden davonzutragen.

 

Ihr Redaktionsteam

 

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