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"Wir möchten unsere Lebendigkeit erhalten..." Neue Selbsthilfegruppe für Frauen, deren Partner schwer erkrankt sind

von Anne Leinweber

 

Die neue Selbsthilfegruppe „Neue Nähe“ in Offenbach richtet sich an Frauen, deren Partner schwer erkrankt sind:

 

Monika Bender, Bettina Huber und Nora Hamann (Namen geändert) haben eins gemeinsam: die drei Frauen sind mit Männern verheiratet, die an einer schweren Erkrankung leiden. Der Mann von Monika Bender hat seit acht Jahren eine unheilbare Nervenkrankheit. Sehr schnell musste er deshalb seine Arbeit aufgeben – jene Arbeit, über die er sich definierte und in der er erfolgreich war. „Mein Mann fiel erst mal in ein schwarzes Loch“, sagt Monika Bender. Im Zuge der Erkrankung verändert sich das ganze Leben.

 

Auch Bettina Hubers Partner, der im Alter von 37 Jahren an Leukämie erkrankte und seinen Beruf ebenfalls nicht mehr ausüben kann, tat sich anfangs schwer damit, seine Krankheit und die damit einhergehenden Veränderungen in seinem Leben anzunehmen.

 

Wenn ein Partner schwer erkrankt, dann hat das gravierende Auswirkungen

auf den Partner und auf die Partnerschaft, auch wenn die Erkrankten noch kein Pflegefall sind. Wenn die ganze Lebensplanung zusammenbricht, der Mann den ganzen Tag krank zuhause ist, und die Partnerin plötzlich alleine der, bzw. die „Starke“ in der Familie sein muss, dann ist das für alle Beteiligten eine große Herausforderung.

 

Monika Bender, Bettina Huber und Nora Hamann lieben ihre Männer. Und sie nehmen Teil an den Leiden ihrer Männer. An allen Hoffnungen und Rück-schlägen, die es bei chronischen Erkrankungen immer wieder gibt. Sie verfolgen die Diagnosen und Therapien, versorgen ihre Partner, wenn lange Klinik-aufenthalte anstehen und unterstützen sie so gut wie möglich. Sie erklären, klären auf und stehen bei. Das ist eine Facette von Selbstverständnis, von der Partnerschaft.

 

Doch sind die Frauen nicht gewillt, ein Leben als „Co-Kranke“ zu führen. „Wir möchten uns nicht ergeben“, sagt Monika Bender und Bettina Huber fügt hinzu: „Wir möchten unsere Lebendigkeit erhalten“. Sie wollen das Leben auch genießen und trotz eines belasteten Alltags, der manchmal von Entmutigung und Schmerzen geprägt ist, Freude am Leben spüren.

 

Die Frauen gründeten im Frühjahr dieses Jahres die Selbsthilfegruppe „Neue Nähe“ in Offenbach. Eine Gruppe für Frauen, deren Partner an schweren, unheilbaren Krankheiten leiden. Der Name der Gruppe steht für die Ver-änderung, die ein Leben mit einem unheilbar kranken Menschen mit sich bringt. „Wenn man wegen der Krankheit Gewohntes zurückstellt, kann man nach einiger Zeit manchmal auch neue Interessen entwickeln. Obwohl die Beziehung zu meinem Mann durch die Krankheit sehr stark geprägt ist, kommt man sich auf andere Weise wieder nahe“, sagt Monika Bender. „Heute genießen wir viel stärker die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens wenn wir gemeinsam auf der Terrasse unseres Hauses in der Sonne sitzen.“

Die Gruppe „Neue Nähe“ richtet sich nicht an pflegende Angehörige. „Das ist noch mal ein anderes Thema, mit dem man sich, wenn es so weit ist, ganz anders auseinandersetzen muss“, so Bettina Huber. Die Frauen treffen sich, um sich auszutauschen, auch mal Wut und Trauer zulassen zu können. Emotionen, die man sonst als „starke Partnerin“ vor Familie und Freunden nicht oder nur schwer zeigen kann.

 

So unterschiedlich die Krankheitsbilder der Männer sind – für die Frauen be-stehen viele Gemeinsamkeiten im Leben mit einem chronisch kranken Partner. „Freunde ziehen sich oft zurück. Sie sind überfordert mit der veränderten Lebenssituation und können oft nicht verstehen, dass man sich nicht so häufig treffen kann“, sagt Monika Bender. „Die Gruppe hilft mir, mit mir selbst im Kontakt zu bleiben. Hier kann ich auch mal über eine Situation im Alltag lachen!“

Die Partner der beiden Frauen standen der Gruppe anfangs skeptisch gegen-über. „Meinem Mann war wichtig, dass eine gewisse Anonymität gewahrt bleibt und nicht jedermann von seiner Krankheit und den damit verbundenen Problemen erfährt“, sagt Bettina Huber. „In der Gruppe ist diese Anonymität gewahrt. Man begegnet sich in einem geschützten Raum, kann sich sicher sein, dass alles, was man in der Gruppe sagt, auch dort bleibt.“

 

Die Gruppe „Neue Nähe“ richtet sich an Frauen, deren Partner an einer schweren, chronischen Erkrankung leiden. Die Gruppe trifft sich in der Regel

14-tägig mittwochs abends in der PARITÄT ISCHEN Regionalgeschäftsstelle

Offenbach, Frankfurter Str. 48, in 63065 Offenbach.

 

Kontakt: E-Mail: neue.naehe@gmx.de

Selbsthilfekontaktstelle Offenbach, Thomas Schüler

Frankfurter Straße 48, 63065 Offenbach

Tel 069/82 41 62, Fax 069/82 36 94 79

E-Mail: selbsthilfe.offenbach@paritaet-projekte.org