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Wir wollen die Angst nehmen und nicht Angst machen

Auch im kommenden Jahr wieder ein Psychoseseminar im Odenwald

Von Klaus Schulz

 

 

An mehreren Abenden eines jeden Jahres, treffen sich Menschen, die Psychosen erlebt haben, ihre Angehörigen und professionelle Helfer, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Im­mer wieder geht es dabei auch um die Frage, ob man das Wort „Psychose“ im Titel der Veranstaltung nennen sollte oder nicht. Einerseits möchte man gesunden Menschen vermitteln, was eine Psychose ist. Andererseits wissen die Betroffenen, welche Ängste das Wort „Psychose“ bei den Bürgern auslöst. Dabei soll das Seminar doch die Angst vor der Psychose neh­men.
Früher sind die Psychotiker weggesperrt worden, als man noch keine Medikamente kannte. Aber das Krankheitsbild exis­tiert nicht isoliert zu einem bestimmten Zeitpunkt. Vielmehr ist es Teil der Biografie. Es gab also schon vor dem akuten Schub depressive Phasen. Psychose ist ein Oberbegriff, der auch die bipolaren Störungen umfasst. Problematisch ist immer wie­der die Berichterstattung der tragisch endenden Amokläufe in Winnenden und anderen Orten. Weil die Bevölkerung glaubt, die psychischen Probleme eines Amokläufers seien mit der Psychose identisch, sie also alles durcheinander werfen, wer­den die Psychotiker häufig diskriminiert.
Niemand, der an einem Psychoseseminar teilnimmt, muss sei­nen Namen sagen oder überhaupt etwas beitragen. Auch wer einfach nur zuhören will, ist willkommen. Was dort besprochen wird, wird auch nicht im Dorf herumerzählt. Der Zuspruch zu dem Seminar ist so groß, dass die Initiatoren überlegen, ei­nen extra Psychosetag zu veranstalten, so wie es ja auch einen Diabetikertag oder einen Tag des hohen Blutdruck gibt. Mann könnte beispielsweise auf solch einem Psychosetag den Inter­essierten die Augen verbinden und dann Geräusche produzie­ren - mehrere gleichzeitig – um so das Erleben eines Psychoti­kers zu vermitteln. Stimmen hören ist ein häufiges Symptom der Erkrankten.

Stimmenhören ist ein häufi­ges Symptom der Psychose. Foto: Techniker Krankenkasse
Die Ursache von Psychosen liegen meist in einer Häufung von negativen Lebenserfahrungen. Werden diese irgendwann ein­mal unerträglich, kann es zur Psychose kommen. Oft machen sich auch die Eltern der Betroffen Vorwürfe und denken, sie hätten etwas falsch gemacht in der Erziehung des Kindes. Aber mit Medikamenten können die Betroffen heutzutage ganz gut eingestellt werden um die Symptomatik in den Griff zu be­kommen. Ohne Nebenwirkungen sind diese Hilfsmittel aus der Apotheke allerdings selten. Eine Vergrößerung der Prostata oder eine Erhöhung des Langzeitzuckerspiegels im Blut gehö­ren dazu.
Wegen der Nebenwirkungen nun die Medikamente abzusetzen ist nicht ratsam, weil man dann doch wieder „durchknallen“ kann, weiß Stefan Schmidt vom Sozialverband VdK zu berich­ten. Wenn man akzeptiert, dass man auf die Medikamente an­gewiesen ist, kann man ganz gut damit leben. Klar, das Leben ändert sich durch die Medikamente, denn beispielsweise Auto­fahren darf man dann nicht mehr. Gerade in ländlichen Gegen­den ist man damit zusätzlich bestraft, weil die Mobilität doch stark eingeschränkt ist.
Das nächste Psychoseseminar wird 2011 stattfinden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer mehr darüber erfahren möchte wende sich an Stefan Schmidt, Telefon (06163) 93 87 71, oder an Antonia Exner, vom Selbsthilfebüro Odenwald.