TIPP
Wenn Essen zum Problem wird – Über den Umgang mit Essstörungen
Von Antonia Exner
Zu dick, zu dünn, zu viel Gewicht oder zu wenig oder gerade richtig? Um diese Fragen drehte sich der Vortrag der Therapeutin Anne Müller aus Reichelsheim dieser Tage am Michelstädter Gymnasium. Zwanzig interessierte Zuhörer – sowohl Betroffene als auch Angehörige und Fachleute aus der Suchtberatung und Selbsthilfe – informierten sich bei dieser Veranstaltung und hatten die Möglichkeit eigene Anliegen an die Referentin heranzutragen. Von der Magersucht bis hin zur Fettleibigkeit wurde über alle Formen von Essstörungen gesprochen und Frau Müller konnte sehr anschaulich erklären, wie die Betroffenen mit zuviel bzw. zuwenig Nahrungsaufnahme Kontrolle über sich selbst ausüben und sich Aufmerksamkeit im sozialen Umfeld verschaffen können. Die bekannteste Essstörung ist wahrscheinlich die Magersucht, obgleich sie nicht die häufigste Essstörung ist. Eine Magersucht beginnt oft mit einer ganz gewöhnlichen Diät, die nicht mehr beendet werden wird.
Meist sind es Mädchen und junge Frauen, die zu hungern beginnen und damit auch nicht aufhören, wenn sie ihr ursprüngliches Wunschgewicht längst erreicht haben. Trotz Untergewicht haben sie noch immer das Gefühl zu dick zu sein. Essen und Nichtessen bestimmen schließlich den ganzen Tagesablauf, das gesamte Denken.
Magersucht ist eine sehr gefährliche Krankheit, und kann in letzter Konsequenz zum Tod führen, wenn das Verhalten der Betroffenen nicht unterbrochen werden kann. Seelische Probleme, auch Missbrauchserfahrungen, können zur Magersucht führen.
Esssüchtige hingegen nehmen große Mengen Nahrung zu sich obgleich sie gar nicht mehr wissen, ob sie eigentlich noch Hunger haben oder nicht. Bei fast allen Esssüchtigen ist das Hunger- und Sättigungsempfinden erheblich gestört. Viele Esssüchtige essen, weil sie sich traurig, einsam oder gestresst fühlen. Essen wird dann wie ein Suchtmittel eingesetzt, um andere Bedürfnisse zu befriedigen.
Ein häufiger Trugschluss der Esssüchtigen ist es zu glauben: „Wenn ich erst einmal schlank bin, dann wird alles gut!" Viele Frauen scheitern daran, dass sie ihr Aussehen, nicht aber ihr Leben ändern wollen. Doch nur wer an sich selbst und seinen Problemen arbeitet wird langfristig auch sein Gewicht verändern können.
Zum Abschluss des Vortrages und der Diskussionsrunde berichtete eine Frau von ihrem eigenen Leidensweg den sie durch die Teilnahme an der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Essstörungen beim DRK Kreisverband in Erbach unterbrechen konnte.
Die Gruppe trifft sich jeden 1. und 3. Dienstag im Monat ab 18 Uhr im Kreiskrankenhaus Erbach, Informationen unter Telefon (06062) 607 60
Ein weiterer Vortrag der Veranstaltungsreihe „Stille Süchte" zum Thema Glücksspielsucht, findet am Mittwoch den 3. November um
19.30 Uhr am Michelstädter Gymnasium statt. Die Veranstaltung ist kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Infos bei den Veranstaltern Selbsthilfebüro Odenwald Telefon 0163-9753004 und DRK Selbsthilfezentrum Telefon (06062) 607 60

