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Weil Ärzte keine Zeit haben sind wir ganz wichtig

Inge Koch, von der Osteoporose-Selbsthilfegruppe Bad Kö­nig, wollte stolz ihre selbst entworfenen Flyer in den Arztpraxen verteilen. Dann geschah, worauf sie überhaupt nicht gefasst war: Ärzte lehnten den Flyer ab mit der Begründung, sie müss­ten ja dann mit den Patienten auch über das Thema Osteoporo­se sprechen und dafür fehle ihnen die Zeit.
So erschütternd so eine Erfahrung auch ist, zeigt sie jedoch einmal mehr, dass Ärzte Akkordarbeiter sind, sie werden nach „Stückzahlen“ bezahlt, nicht nach der aufgewendeten Zeit und schon gar nicht nach Erfolg. Für einen an Stundenlöhne ge­wohnten Arbeitnehmer schwer vorstellbar.
Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen mit ih­ren Fragen nicht zum Arzt gehen müssen. Sie bekommen die Antworten in der Selbsthilfegruppe. Deshalb ist die Selbsthilfe so ungeheuer wichtig. „Wir helfen gerne“, sagt Inge Koch. Zu­sätzlich bietet die Gruppe einmal wöchentlich Gymnastik. Der Gesprächskreis findet einmal im Monat statt. Dort wird über Neuigkeiten informiert oder über Veröffentlichungen in der Apothekenzeitschrift diskutiert. Heil-und Hilfsmittel werden vorgestellt.

Kommen neue Teilnehmer in die Gruppe, wird ge­klärt, wie viel diejenigen bereits über ihre Osteoporose wissen. Zu welchem Arzt gehen sie? Wie lautet die genaue Diagnose? Wurde schon einmal die Knochendichte gemessen? Mit wel­chem Gerät wurde die Knochendichte gemessen? Diese Frage ist wichtig, weil es sehr große Qualitätsunterschiede gibt. Wer beispielsweise nur ein Ultraschallgerät mit einer Wäscheklam­mer an die Fingerspitze geklemmt bekam, kann das Ergebnis der Messung sowieso gleich in den Papierkorb entsorgen. „Und so mancher Arzt verlangt für solche Scharlatanerie auch noch Geld“, sagt Inge Koch.
Die 29 Damen in der Gruppe bekommen in der vierteljährlich er­scheinenden Verbandszeitschrift auch Informationen über die medikamentöse Behandlung, medizinische Berichte und Neu­erungen am Markt. Lebhaft werden die eigenen Erfahrungen diskutiert. Die Verträglichkeit der Therapien ist ein wichtiges Thema. Genauso wichtig sind die Erfahrungen mit den jeweils behandelnden Ärzten.
Ein Ausflug in die Universitätsklinik Heidelberg im vergangenen Jahr ist allen Beteiligten noch in guter Erinnerung. Über drei Stunden lang wurde die Gruppe von vier Ärzten und zwei Physiotherapeuten über alle Fragen im Zusammenhang mit Osteo­porose informiert. Das Programm, das die Heidelberger boten, war absolut überwältigend.
Die Qualität der Gruppenarbeit hat sich im Odenwald schon her­umgesprochen. Deshalb stoßen auch immer wieder Neubetrof­fene dazu. Alle Teilnehmer werben für ihre Gruppe, weil alle ge­merkt haben, wie der Zusammenhalt der Gruppe ihnen gut tut. Einziges Manko, dass es leider keine „Straßenbahn“ gibt, die die Ortschaften im Halbstundentakt miteinander verbindet. Die Abhängigkeit vom Auto behindert die Gruppe. Wenn eine ältere Dame überhaupt nie Autofahren gelernt hat oder es sich nicht mehr zutraut und keinen Fahrer findet, ist das oft das Ende der Gruppenteilnahme.