TIPP
Einsamkeit tut weh!
Diese Volksweisheit ist mittlerweile auch wissenschaftlich bewiesen. Hirnforscher können mithilfe eines Scanners sichtbar werden lassen, was bei Schmerzen im Gehirn passiert.
Zwickt man eine Versuchsperson in den Arm, kommt es in zwei Hirnregionen zu erhöhter Aktivität. In der einen Region nehmen wir wahr, wo der Schmerz lokalisiert ist, also im Arm. Und die andere Hirnregion registrieren
wir, wie stark wir den Schmerz empfinden. So weit so gut.
Szenenwechsel: Versuchspersonen wurden von den Hirnforschern eingeladen mit der Begründung, man wolle das Ballspielen im Scanner untersuchen.
Nun, selbstverständlich kann man in der engen Untersuchungsröhre nicht wirklich Ball spielen. Man kann aber durchaus virtuell mit Spielkonsole und Joystick spielen. Die Konsole war so programmiert, dass drei Personen miteinander spielen, von denen eine von der Versuchsperson gesteuert werden konnte.
Der Versuchsleiter sagte der Versuchsperson: „Das Programm hat noch etwas Startschwierigkeiten, aber legen Sie sich schon mal in den Scanner und schauen Sie etwas zu.“ Also schaute die Versuchsperson in der Röhre zu, wie zwei Leute auf dem Bildschirm sich gegenseitig Bälle zuwarfen. Der Scanner zeichnete
derweil schon eifrig die Hirnaktivität der Versuchsperson auf. Nach ein paar Minuten rief der Versuchsleiter: „So, jetzt klappt es, das Programm läuft.“ Und in der Tat konnte nun die Versuchsperson selbst mit ihrem Joystick mitspielen. Also schoben nun drei Personen auf dem Bildschirm sich gegenseitig den
Ball zu.
Ein paar Minuten später passierte jedoch etwas Merkwürdiges.
Die beiden anderen im Bildschirm spielten plötzlich nur noch miteinander
und gaben den Ball nicht mehr an die Versuchsperson ab. Diese war also dazu verdammt, nur passiv zu schauen, ganz wie zu Anfang. Aber jetzt hatte die Versuchsperson das Gefühl:
„Die mögen mich nicht.“ Vielleicht findet er es auch einfach blöde, dass er nicht mehr mitspielen kann. Die Versuchsperson ist ausgestoßen aus der Gruppe der Spieler, wo es ihm aber doch vorher so viel Spaß gemacht hatte, mitzuspielen.
Im Unterschied zu dem anfänglichen Zuschauen, als der Versuch angeblich noch nicht lief und jetzt war, dass der Scanner nun eine übermäßige Aktivität genau in der Hirnregion aufzeichnete, in der normalerweise die Schmerzintensität registriert wird. Schmerzen tun weh und ausgestoßen sein tut auch weh!
Wie kann man das erklären? Schmerzen sind ein Schutzmechanismus des Körpers. Schmerz zu spüren heißt: Vorsicht, hier ist etwas nicht in Ordnung! Hätten wir kein Schmerzempfinden, würden wir unsere Hand erst dann von der heißen Herdplatte wegnehmen, wenn es anfängt unangenehm zu riechen. Der
Schmerz veranlasst uns aber, sofort die Hand zurückzuziehen, bevor größerer Schaden entsteht. Schmerz signalisiert uns, dass unsere körperliche Integrität akut gefährdet ist.
Vor vielen tausend Jahren, als unsere Urahnen noch durch die Steppe zogen, kam es einem Todesurteil gleich, wenn ein Gruppenmitglied ausgestoßen wurde. Alleine war damals niemand überlebensfähig. So ist es sinnvoll für ein Individuum auch dann Schmerzen zu empfinden, wenn die soziale Integrität
gefährdet ist. Schmerz ist ein Warnsignal, das für uns Menschen überlebenswichtig ist. Also seien Sie gewarnt, wenn Sie sich mal wieder einsam fühlen. Unternehmen Sie etwas dagegen und gehen Sie beispielsweise in eine Selbsthilfegruppe. (ks)

