TIPP
Diabetikerberatung am Telefon
Von Ute Meißner-Ohl
Manchmal finde ich auf meinem Anrufbeantworter eine Nachricht: „Ich bin Frau X. Bei mir ist gerade Diabetes festgestellt worden. Mein Arzt hat mir Ihr Jahresprogramm gegeben und ich bitte Sie um einen Rückruf.“
Dann weiß ich, es wird ein längeres Gespräch, schaufele mir etwas Zeit frei und rufe so schnell wie möglich zurück.
Die Betroffenen haben von ihrem Arzt die Diagnose erhalten, dazu etliche Verhaltensregeln, Diättipps und - hoffentlich - einen Schulungstermin in absehbarer Zeit. Wie sollen sie damit umgehen? Der Schock und die Verunsicherung sind oft groß. Die vielen Informationen haben sie nur teilweise verstanden und wegen der Aufregung über die Diagnose oft nur
wenige davon in Erinnerung. Wir sortieren erst einmal: Was ist für den Anfang wichtig? Ernährungsumstellung hat der Arzt empfohlen. Das sagt sich so leicht. Gut, wenn jemand selbst kochen und mit Lebensmitteln umgehen kann. Und ein bisschen Kopfrechnen ist hilfreich. Dabei sollte die Grundhaltung sein: Nicht „verzichten“, sondern „mit Köpfchen“ essen.
Gemüse und Salate können meistens in größeren Mengen gegessen werden. Die paar Ausnahmen, die man „mit Vorsicht genießen“ sollte, lassen sich gut merken. Kartoffeln, rote Beete, Mais sind anzurechnen, weil sie Kohlehydrate (KH) enthalten. Dabei ist wichtig: Kohlehydrate können und sollten auch gegessen werden, aber die Menge muss begrenzt werden.
Worin stecken die KH noch? In allen Getreidesorten, Reis, Brot, aber auch in einigen Milchprodukten und natürlich in zuckerhaltigen Speisen und auch im Obst. Hülsenfrüchte sind bei manchen unbedenklich, aber manche Diabetiker müssen sie anrechnen. Da führt zu einem weiteren Ratschlag: Ausprobieren,
testen, messen, auf was der Körper mit Blutzuckeranstieg reagiert. Ein bisschen Lust am Selbstexperiment sollte man sich angewöhnen - natürlich auf solider Grundlage. Es gibt Tabellen mit den Inhaltsstoffen der Nahrungsmittel. Die gilt es schnell zu beschaffen, wenn der Arzt sie nicht schon mitgegeben
hat. Und eine gute Küchenwaage oder Briefwaage ist nützlich, zumindest im ersten Jahr, bis man die Mengen ungefähr abschätzen kann. Regelmäßiges Blutzuckermessen ein wichtiger Faktor, um mit der Krankheit umgehen
zu lernen.
Und dann bei Typ II-Diabetikern mit Übergewicht häufig der ärztliche Rat:
„Abnehmen!“ Das heißt: Möglichst wenig Fettes essen, auch beim Kochen
geschickt Fett vermeiden. Also: Fettarmes Fleisch kaufen, eine beschichtete
Pfanne verwenden. Gemüse nicht in Fett braten, sondern dünsten, evtl. mit einem Teelöffelchen Butter als „Gewürz“ zum Schluss verfeinern. Und was hilft gegen den kleinen oder großen Hunger zwischendrin?
Vollkornprodukte halten länger vor als Weißmehlbrot - dann benötigt man kaum
Zwischenmahlzeiten. Gewürzter Magerquark enthält keine KH, wenig Kalorien und sättigt.
Viel Wasser oder Tee sollte man trinken oder auch Lightgetränke, wenn man früher gerne die zuckerhaltige Cola getrunken hat. Bei allem soll
man bedenken: Das Essen soll immer noch gut schmecken und Freude machen. Eine Mischkost mit viel Gemüse, Salaten und magerem Fleisch
und Fisch und klug begrenzte Kohlehydrate, – das wäre eine solide, wohlschmeckende Dauerkost, an die man sich gewöhnen kann. Süßstoffe sind auch als Würze erlaubt.
Bewegung heißt das Zauberwort für Kalorienverbrauch und Blutzuckersenkung. Wer es schafft, sich sportlich zu betätigen – prima. Wenn nicht, dann sollte man wenigstens regelmäßig spazieren gehen, Rad fahren oder Schwimmen.
Und vor allem: Nicht verzweifeln, wenn nicht alles gleich klappt! Der Körper ist keine Maschine. Man kann zwar mit vernünftigem Verhalten etwas regulieren, aber es braucht Zeit.
Auch lässt sich nicht alles beeinflussen. Selbst kleine Infektionskrankheiten erhöhen den Blutzucker vorübergehend – das ist nicht beunruhigend und normalisiert sich wieder. Stress treibt den Blutzucker hoch. Wenn es gelingt, Stress zu verringern, ist das prima! Wenn nicht, kann man wenigstens versuchen auszugleichen - mit Entspannung und Bewegung.
Das alles besprechen wir mit den „neuen Diabetikern“. Auch ist es für die Anrufenden gut zu hören, dass wir selbst schon jahrelang mit der Krankheit lebt und dass in unserem Kreis langjährige Diabetiker sind, die schon deutlich über 80 Jahre sind!
Natürlich bieten wir bei dieser Gelegenheit an, dass die Betroffenen in unsere SHG kommen können und auch bei Unklarheiten immer wieder anrufen dürfen. Übrigens: auch Menschen, die schon lange Diabetes haben, rufen manchmal bei uns an.
Es tut einfach gut, mit jemanden zu reden, der über die Krankheit aus eigener Erfahrung Bescheid weiß!
Ute Meißner-Ohl ist Begleiterin der SHG Diabetes in Darmstadt
Tel. 06151 / 421334; E-mail: Meissner-Ohl@t-online.de

