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Der rote Faden knüpft das Netz

Professionelle Beratung durch Selbsthilfegruppen

Von Christine Grawe

 

Hilf dir selbst! Diese Aufforderung meint den ersten Schritt zu einem selbstbewussten Umgang mit Krankheit, Sucht oder sozialen und familiären Problemen.

Selbsthilfegruppen und -organisationen bieten in Deutschland ein breites Spektrum für diesen ersten Schritt, und sie haben inzwischen auch ein erhebliches politisches Gewicht – seit 2000 sind die Krankenkassen zur Selbsthilfeförderung verpflichtet.

 

Hilf dir selbst! meint auch: Du bist nicht alleine. Das klingt zunächst widersprüchlich. Doch mit dem ersten Schritt in eine Gruppe Gleichbetroffener gelingt ein Stück Öffnung für einen Weg in Richtung Klärung, weil der Erfahrungsaustausch den Horizont erweitert. Plötzlich tun sich Möglichkeiten auf, von denen man vorher nicht mal etwas ahnte, und sie ermutigen

zum nächsten Schritt. Um dies zu fördern, bieten professionelle Berater aus allen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens (Sozialpädagogen, Psychologen, Suchthelfer, Drogenberater, Sozialarbeiter, Mediziner, etc.) ihre Unterstützung an.

Diese Beratung bezieht sich sowohl auf die Gruppe als auch den einzelnen Betroffenen aus einer Gruppe. Ziel ist, das Netz der Unterstützung so dicht zu weben, dass die Gefahr „durchzufallen” so gering wie möglich gehalten wird. Betroffene sollen also durch dieses Netz jederzeit gehalten werden können,

was sie letztlich auch zum „vernetzten Betroffenen” macht.

Betroffene werden konkret und im übertragenen Sinne entlastet, womit sich Heilungschancen und Rückfallprophylaxe verbessern, was dann letztlich auch der Gesellschaft insgesamt dient.

 

Für den Bereich Sucht zum Beispiel bietet das Diakonische Werk in Darmstadt eine Beratungsstelle, in der seit 2006 neben anderen auch Steffen Losch von Haus Burgwald tätig ist. Haus Burgwald (bei Darmstadt) ist eine der ältesten Fachkliniken zur Behandlung Suchtkranker in Deutschland und hat sich als

christlich diakonische Einrichtung zur Aufgabe gemacht, auch in der Prävention, der Vermittlung und der Ambulanz beratend hilfreich zu sein. Dabei stützt sich das Haus auf eine starke Vernetzung und den Austausch mit anderen professionellen, kompetenten Anbietern, um Betroffenen eine möglichst umfassende Orientierungshilfe zu bieten. Zusammengeschlossen
ist Haus Burgwald deshalb auch im Diakonischen Suchthilfeverbund Südhessen, dem auch die Selbsthilfegruppen der ASS und des Blauen Kreuzes angehören. Der Austausch und die enge Zusammenarbeit mit allen Suchtselbsthilfegruppen
bleibt dabei stets von großer Bedeutung. Sie stellen sich regelmäßig
in Haus Burgwald vor. Vom ersten Schritt in die Selbsthilfegruppe kann so für Betroffene der direkte Weg in eine professionelle Therapie eröffnet werden, womit sich Leidenswege verkürzen. Steffen Losch ist Sozialtherapeut und seit 2003 als Bezugstherapeut in Haus Burgwald tätig. Er betreut dort auch
das Projekt „Wohnen im Übergang”, das Suchtkranken (vorwiegend Alkoholikern) die Möglichkeit bietet, die Zeit zwischen Entgiftung und Therapie abstinent zu überbrücken. Seine Beratungstätigkeit beim Diakonischen Werk erstreckt sich vom Erstkontakt über ambulante Therapie, die Vermittlung in stationäre Therapie bis hin zur Nachsorgebetreuung. Wöchentlich
werden in der Entgiftungsstation des Ev. Krankenhauses Elisabethenstift in Darmstadt Beratungsgespräche durchgeführt.
Patienten erfahren also eine kontinuierliche therapeutische Begleitung, die jederzeit von der jeweiligen Selbsthilfegruppe – die ja auch im Sinne der Nachsorge wirkt – mitgetragen wird.

 

Professionelle Beratung ist also der rote Faden, der die Vernetzung stärkt. Der Verbund – darin steckt auch das Wort Verbindlichkeit im Sinne von Verantwortlichkeit – bildet die Grundlage für ein tragfähiges Gesundheitswesen, in dem Menschen gehalten und geführt werden können. Beratung darf nicht einseitig sein, sie sollte Austausch sein – sowohl zwischen Berater

und Klient als auch zwischen Berater und Berater oder Berater und Institution, wobei der Austausch immer nur mit Zustimmung des Betroffenen erfolgen kann. Austausch bringt dann auch neue Ideen und Innovationen hervor und wirkt somit in die Zukunft.

 

Weitere Informationen: Steffen Losch beim DW Darmstadt, Telefon 06151-92620,

losch@dw-darmstadt.de oder Haus Burgwald gGmbH, Mühltal, Telefon 06151-9462-0

info@haus-burgwald.de; www.haus-burgwald.de