TIPP
Selbsthilfe und neue Medien
Der gute, alte Brockhaus ist „out“. Immer mehr wird das Internet zum „Portal“ zur
Möglichkeit, Informationen aller Art zu bekommen, Kontakte zu knüpfen, sich „per
Chatroom“ auszutauschen, virtuelle Welten zu entdecken, bei „Facebook“ „Freunde“ zu treffen und wichtige Adressen zu finden (z.B. Selbsthilfegruppen vor Ort).
Früher haben wir gesagt: „Schau‘ doch mal im Duden oder Lexikon nach oder frage
Person XY“, heute heißt es, zumindest bei den allermeisten jungen Menschen,
„Google doch mal“ oder „schaue bei Wikipedia nach“...
Wichtige Informationen werden heute hauptsächlich per Mail verschickt. Einladungen, Protokolle, Programme, Infoschreiben u. Ä. sind dann meist als pdf-Datei angehängt. Dies geht schnell und spart eine Menge Zeit und Geld. Die Empfänger drucken sich die Anhänge selbst aus.
Wer da weder Computer noch Drucker besitzt, ist deutlich benachteiligt.
Wer die „neuen Medien“ nicht nutzen kann oder will ist ganz schnell „weg vom
Fenster“. Zumindest bei jungen Leuten. Und der Trend geht noch weiter. Immer
kleiner, immer schneller, jederzeit erreichbar sein, alles auf I-Pad, multifunktionale
Handies, W-Lan usw.
Die „alten Hasen“ in der Selbsthilfearbeit haben noch Anderes gelernt und wenden
ihre traditionellen Methoden in ihren Kommunikationsstilen an. Das extreme
Tempo im elektronischen Kommunikationsbereich kann nur von wenigen älteren
Menschen mitgehalten werden. Zumal viele Menschen, die sich einer Selbsthilfegruppe anschließen, ein „Handicap“ mitbringen.
Mit herkömmlichen Methoden werden nur wenig junge Menschen erreicht. Hinzu
kommt, dass das Eingestehen von Defiziten in unserer heutigen Gesellschaft alles
andere als gewünscht und positiv besetzt ist.
(Fast) alles, was nicht dem Ideal „jung, dynamisch, perfekt, erfolgreich, sportlich,
cool“ entspricht, ist mit einem mehr oder weniger starken Tabu belegt.
Junge Menschen „ticken anders“.
Ein Weg, auch von Krankheit oder Behinderung betroffene Jugendliche und junge
Erwachsene für die Selbsthilfe zu interessieren, kann in der Nutzung neuer Medien
bestehen. Junge Menschen sollten dort abgeholt werden, wo sie sich aufhalten.
In Schulen, auf der Straße, in Funparks, im Krankenhaus oder bei Ärzten und Beratungsstellen.
Alle hauptamtlichen Kräfte in der Sozialen Arbeit sollten über die
Selbsthilfe informiert sein, um die Informationen niederschwellig persönlich weiter
geben zu können.
Das Internet ist die Plattform, die heute selbstverständlich ist. Internetforen, -Infoseiten, -beratung, -themenbezogene Chatrooms und Vernetzung müssen immer mehr in die Selbsthilfearbeit einbezogen werden, damit Selbsthilfegruppen lange existieren und nicht mangels Nachfolger/innen aussterben.
Eine gute Vernetzung der Selbsthilfegruppen untereinander und mit Selbsthilfekontaktstelle, die als Koordinierungsstellen zwischen Selbsthilfegruppen und den professionellen Helfern im Gesundheitswesen fungieren, kann den eigenen
Bekanntheitsgrad erhöhen und Synergieeffekte auslösen. Durch solche „win-win
Situationen“ gewinnen Alle. Dies haben der „Schmerztag“ und der „Selbsthilfetag“
in Fulda schon mehrfach gezeigt.
Junge Menschen für die Selbsthilfe zu begeistern und „Profis „mit ins Boot zu nehmen“ sind Aufgaben, denen wir uns heute stellen und die wir die wir gemeinsam meistern sollten.
Christine Kircher, Selbsthilfebüro Osthessen

